Mittwoch, 10. September 2008

Blogreflektionen - Erlaubt oder nicht erlaubt

Das schöne an einem Blog-Eintrag ist (unter anderem) dass ihm wenige Begrenzungen in Form und Inhalt zu Grunde liegen. Wir wissen aus der Schule ungefähr, was ein Gedicht ist, ein Essay oder eine Kurzgeschichte, kennen die ungefähren Merkmale und bekannte Vertreter der unterschiedlichen Literaturformen.

Wir haben auch gelernt, was Literatur zu Literatur macht, was Kunst ist und was man als gute Kunst bezeichnen darf. Zumindest haben wir ordentliche Diskussionen geführt, uns gegenseitig in unserer Meinung bestätigt und nicht gemerkt, das der Lehrer die meiste Zeit geschwiegen hat, um am Ende der Stunde noch einmal die Hauptthesen an die Tafel zu schreiben.

Was aber macht ein Blogeintrag zu einem solchen? Dasselbe, was ein Buch zu einem Buch macht. Ein Blogeintrag ist zumeist keine Literatur, seine berühmtesten Vertreter bewegen sich im Feld der Klatschpresse, Hausfrauenpoesie und des Tagebuches. Bei Blogeinträgen ist für viele nicht das meiste uninteressant, sondern alles. Auch das Beliebte, auch das empfohlene, auch das Selbstgefundene.

Im Internet findet man leicht, was einen interessiert. Wenn man sich ein bisschen auskennt, kann man es auch schnell und ohne Umwege finden. Doch leider kennen sich die wenigsten aus und können sich in dieser absoluten Vielfalt nicht zurechtfinden. Niemand aus meinem Bekanntenkreis würde jemals von selbst auf die Idee kommen, sich einen schönen Blog zu suchen und den öfter zu lesen, monatlich, wöchentlich oder täglich. Schon mindestens zehnmal habe ich folgenden Satz gehört: „Niemals wäre ich von selbst auf die Idee gekommen, mir im Internet einen Blog anzuschauen.“

Auch ich wäre auch nie von selbst auf die Idee gekommen, mir im Internet einen Blog anzuschauen, es ist eher durch Zufall passiert. Und ich wäre auch niemals von selbst auf die Idee gekommen, einen eigenen Blog im Internet anzufangen, wenn ich mich mit den von mir „gefundenen“ Blogs nicht so gelangweilt hätten und mich nicht daran erinnert hätten, wie unglaublich spannend mein eigenes Leben eigentlich ist.

Also schaute ich, was ich da alles darf und was ich nicht darf. O.k.: Ich darf Fotos posten und Texte schreiben. Sogar Filme, ui wie toll. Und was bringt mir das jetzt? Alle meine Freunde können sich die anschauen und sogar Kommentare schreiben. Woah wie krass.
Dann probier ich das mal aus. Oje, die Fotos müssen unbedingt von mir kommen? Hm.

Da wären da noch die Persönlichkeitsrechte. Noch mal nachgeschlagen: für Blogs gelten noch keine genauen Gesetze. Ein Blog fällt in den Bereich des Journalismus.

Und im Journalismus gilt das Recht der Meinungsfreiheit. Und was als berichtenswert erscheint, kann berichtet werden. Es darf allerdings niemand persönlich angegriffen oder diffamiert werden. Bisher bin ich all diesen Ansprüchen nachgekommen.

Ich habe auf den Wunsch einer Kommilitonin deren Fotos, die sie auf einer Demo zeigten, herausgenommen. Ein anderer Mitstudent hat mich gebeten, das Foto, das ihn im volltrunkenen Zustand, offenen Haaren und mit einem anderen Studenten raufend zeigt, bitte nicht ins Netz zu stellen. Auch diesem Wunsch habe ich ohne zu zögern nachgegeben. Zwei weitere Bekannte haben mich darauf hingewiesen, auch in Zukunft nicht ein Foto im Internet erscheinen zu lassen, wenn ich nicht wolle, dass mir etwas relativ unangenehmes zustoße.

Nicht zuletzt: Eine gute Bekannte bat mich vor einigen Monaten (ohne Umschweife) mit einem eiskalten Blick und etwas Schnee in der Nase, ich solle sie ganz aus dem Blog verschwinden lassen, weil das Ganze ja „ganz großer Quatsch“ sei. Ich gab ihr Recht, willigte ein und hab noch oft mit Freunden über dieses Erlebnis gelacht. Man muss ja nicht gleich zum Gericht rennen. Viele Dinge kann man unter sich regeln. So empfiehlt es die Justiz.

Na toll, da hat man dann mal so ein zwei „Postings“. Und dann fällt einem auf, dass im Grunde ein unbekannter Blog genauso öffentlich ist, als würde ich die Fotos und Texte in meinem Zimmer aufhängen und ab und zu jemanden einladen. Oder als würde mir ein Foto zufällig auf der Strasse aus der Tasche fallen. Das kann also nicht das Motiv sein.

Wie gesagt: Was ich mache, schreibe, poste, mache, schreibe, poste ich nicht für irgendwas (ich habe keine konkreten Visionen oder Ideale). Ich stelle mir nie die Frage: wofür? Sondern nur die Frage: Wogegen? Und diese Frage ist, so gesehen, schnell beantwortet.

Kommentare:

Smf. hat gesagt…

I love GaP!
Deine aktuellen Selbstreflektionen sind toll!
Endlich mal drüber Nachgedacht!
Freu mich auf den großen Quatsch wieder!
Schön dich auf Webcanvas.com zu entdecken übrigens ;0)

Smf

Anonym hat gesagt…

Schön.
Würde ich gern in meinen Blog reinkopieren.
Gruß,
Wittek.

Anonym hat gesagt…

Darff ich jetzt? Oder nicht.
Ingääähh?
Wuh - Hutt.

FG hat gesagt…

Ich habe mal im Grundgesetz die Meinungsfreiheit nachgeschlagen und tatsächlich: Journalisten haben das Recht ihre Meinung frei zu sagen. Na dann ist ja alles in Ordnung.