Sonntag, 6. Mai 2012

Beratung


Für meine Hausarbeit in pädagogischer Psychologie habe ich mir Videos von drei bekannten Psychologen angesehen, es ist eine Reihe in der die drei ein und dieselbe Person beraten (Gloria) und sich innerhalb einer halben Stunde jeweils ihr persönlicher Beratungsansatz verdeutlicht. Auch wenn diese Sitzungen gefilmt wurden, bekommt man den Eindruck, dass es sich hierbei um relativ realistische Beratungssituationen handelt. Mir ist aufgefallen, dass alle drei Ansätze etwas bei Gloria bewirkt zu haben scheinen, wenn man auch nicht genau feststellen kann, ob es sich immer um eine Verbesserung handelt. Bei Fritz Perls, einem Vertreter der Gestaltpsychologie entstand bei mir das Bild, dass er in die Rolle einer Person schlüpft, welche bei Gloria negative Assoziationen auslösen. Sie versetzt sich in verschiedene Verteidigungspositionen, welche bei anderen eine Reaktion ausgelöst hätten, Perls läßt sie an sich vorbeigleiten. Es wirkt ein bisschen wie ein Abhärtungsprogramm gegen innere Angstbilder und ich vermute, bei längerer Reflexion könnte sich der Ratsuchende dieser Bilder und seiner Reaktionen darauf bewusster werden. 
Der Ansatz von Albert Ellis beschäftigte sich mit dem genauen Betrachten einer wiederkehrenden Situation, genannt Rational Therapy. Hier fand ich die Behauptung total spannend, dass jedem rational feststellendem Statement oft ein zweiter Satz folgt, der oft abergläubisch, dogmatisch oder absolutistisch ist. In seinem Gespräch ging es hauptsächlich darum, diese Sätze aufzudecken. Dadurch wurde das Ganze sehr schematisch, aber gut umsetzbar.
Am Besten, aber auch am Schwierigsten fand ich das Beratungsgespräch mit Carl Rogers, dem Vertreter der klientenzentrierten Methode, bei der der Berater zugleich authentisch und akzeptierend vorgeht. Es ging darum, das Gegenüber zu loben oder hoch anzusehen und dabei gleichzeitig ehrlich und offen zu sein. Dadurch soll es möglich werden, dem Ratsuchenden einen Prototyp für positive zwischenmenschliche Beziehungen zu entwickeln. Am Ende war ich richtig gerührt, als Gloria meinte, sie hätte Rogers gerne zum Vater. Auch aus Rogers platzte heraus, dass er sie sich gut als Tochter vorstellen könnte. Was passiert, wenn man den Ratsuchenden einfach nicht sympathisch finden kann, so sehr man sich bemüht? Wenn man es nicht aushält und den anderen doch mit Ratschlägen überhäuft, anstatt den Interaktionspartner selbst suchen zu lassen? Alle diese Beratungsformen erfordern sicher viel Übung und ich habe Unmengen Respekt vor jedem, der sich darauf einlässt.
Nichtsdestotrotz ist dies nur ein Teil meiner Arbeit und der restliche Eisberg muss noch gegliedert und mit Zitaten bestückt werden.




Keine Kommentare: